In der deutschen Kultur, so schrieb Richard Wagner einst hetzerisch, hätten jüdische Musiker und jüdische Musik keinen Platz. Yuriy Gurzhy kontert mit einem scherzhaften Buchtitel: »Es ist meine kleine Rache, Richard Wagner und Klezmer im Titel zusammenzubringen. Ihm hätte das nicht gefallen.«
Der bekannte DJ und Musiker ist auf der Suche nach dem aktuellen jüdischen Sound Deutschlands, seit er im Alter von 20 Jahren mit seiner Familie aus der Ukraine nach Potsdam kam. Auch in seinem ersten Buch ›Richard Wagner und die Klezmerband‹ ist Yuriy Gurzhy zuallererst DJ, mischt jedoch keine Musikstücke, sondern spannende, außergewöhnliche Geschichten zusammen und nimmt die Leser mit hinter die Kulissen einer ganzen Szene.
Zwischen verrauchten Berliner Clubs und der Frankfurter Festhalle hat Yuriy ungewöhnliche Menschen getroffen – darunter einen Rabbiner, der Musikparodien schreibt, einen Rapper aus Kalifornien, dessen Urgroßvater vor dem Krieg in Hamburg Songs geschrieben hat, die dort auch heute noch gesungen werden, einen Grünen-Politiker, der jiddische Lieder performte, eine Sängerin, die bayerische Folklore mit jiddischen Songs vereint. Die Stimmen in diesem Buch gehören den Menschen, die direkt und indirekt die zeitgenössische jüdische Musikszene dieses Landes beeinflusst und kreiert haben. Die Bandbreite der Protagonist:innen reicht von Yuriys altem Freund und Russen-Disko-Mitstreiter Wladimir Kaminer über den Trompeter Frank London, Dramatikerin Sasha Marianna Salzmann, Musiker und Schauspieler Daniel Kahn, Musikerin und Autorin Marina Frenk, Sängerin Maya Saban und Rapper Ben Salomo bis zum EU-Parlamentsabgeordneten Sergey Lagodinsky.
Gurzhys Gesprächspartner:innen zeigen, wie vielfältig, lebendig und progressiv die deutsch-jüdische Musikszene gegenwärtig ist. Und es geht dabei nicht nur um Musik, sondern um all die verschlungenen und verrückten Lebenswege und Geschichten der jüdischen Künstler:innen, Konzertveranstalter:innen und Labelmacher:innen in Deutschland. (Quelle: asphalt Festival)